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Die Alte und Neue Festungen
In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Festung von Komorn, oder, wie es heute heit: Komarno (slow.) / Komrom (ung.), mit zu einem der grten und strksten Verteidigungsbauten der sterreichisch-ungarischen Monarchie. Die Lage des Befestigungssystems war durch einen strategisch gnstigen Ort vorgegeben, und zwar durch den Zusammenflu von Vh (deutsch. Waag, ungar. Vg) und Donau mit einer Furt und an der Kreuzung von Handelswegen, die aus den Flutlern von Vh, Nitra und itava hierher fhren.
Eine Befestigung nicht weit entfernt von Komorn bestand bereits zur Rmerzeit; erste Kunde vom Standort der heutigen Festung Komarno und deren Besiedlung erhalten wir im Werk "Gesta Hungarorum" eines Anonymus, der whrend der Herrschaft Blas III. in den Jahren 1173 - 1196 lebte. Nach Verleihung des Stadtrechts entstand von 1265 - 1268 eine steinerne Festung bzw. eine Burg. Ende des 15. Jahrhunderts exisitierte die Burg als luxuriser Palast, der selbst den anspruchsvollen kniglichen Anforderungen gerecht wurde. 1529 belagerten sie die Trken unter Fhrung Suleimans II., die sie sogar fr kurze Zeit besetzten, denn die dortige kaiserliche Besatzung flchtete und berlie die Burg ihrem Schicksal.
Die Entwicklung der Festungsanlagen von Komarom bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Nach der Besetzung von Buda durch die Trken im Jahr 1541 war Ferdinand I. gezwungen, die Festungswerke zu verbessern und neue, modernere Anlagen zu erbauen. Es entstand von 1546 bis 1557 eine polygonales Basteiensystem; mitwirkende Planer und Baumeister waren Pietro Ferrabosca (vermutl.), Testa, Castaldo, Decius, Giovanni Maria de Speciecasa, Di Dalmatio Bartolagi, Mathias Dusco, Venzel Cservenka und Paul Puls. Die Bauaufsicht hatten inne: Michael Schick (1546 - 1550), Leonhard Mller (ab 1550) und Francisco Benigno (nach 1552). Baumeister war im Jahr 1550 Ihon Maria de Speciecasa. Die Befestigungsarbeiten leitete im Jahr 1551 D. Castaldo. Ein Hochwasser im Frhjahr 1570 verursachte derartige Schden, da ein Teil der Zwischenwlle einstrzte. Unter der persnlichen Leitung des Kapitanatsoberbauinspektors Urban Suess wurde in den Jahren 1572 - 1592 die Festung wieder aufgebaut. An diesen Arbeiten beteiligten sich weitere auslndische Fachleute mit ihrem Fachwissen, wie: der Deutsche Daniel Speckle und der Italiener Carlo Theti. Die neue, nach italienischem Muster entworfene, aus- und umgebaute Festung erlebte 1594 ihre Feuerprobe, als sie der Sinan Pascha (1512-1596) mit hunderttausend Mann einen ganzen Monat erfolglos belagerte. Vom Festungsbau dieser Zeit (aus dem Jahr 1572) haben wir bereits ein genaues Grundrischema, das davon zeugt, da sich die Form der Verteidigungsposten an der Peripherie bis heute berhaupt nicht verndert hat. Zu weiteren wichtigen Befestigungsarbeiten kam es in der Herrschaftszeit Leopolds I. (1658-1705), als in den Jahren 1663-1664 Ersekjevr (heute: Nove Zmky) in trkische Hnde fiel, womit die Verteidigungskette zerri. Dies veranlate Leopold I., vor allem den Bau von zwei Festungen anzuordnen: der Festung Leopoldov unweit Galgc (heute: Hlohovec), die das Eindringen der Trken in die Waagniederung verhindern sollte, und der sogenannten "Neuen Festung in Komarno. Die erste Bauetappe der "Neuen Festung" dauerte bis 1663, wo nur Arbeiten an den Erdwllen durchgefhrt wurden. Nach 1663 setzte die zweite Bauetappe ein, in der statt der provisorischen Erdwlle nach und nach Basteien und Zwischenwlle aus Stein und gebrannten Ziegeln errichtet wurden. Die Arbeiten erfolgten nach Plnen des franzsischen Ingenieurs Franz Wymes, der sich auch auf Entwrfe von Carlo Theti sttzte und die modernsten Erkenntnisse der italienischen und franzsischen Zitadellenarchitektur nutzte. Der solide Bau der "Neuen Festung" wurde 1673 abgeschlossen.
Das gleiche Schicksal, dem whrend des verheerenden Hochwassers von 1682 zahlreiche Gebude der Stadt zum Opferfielen, traf auch die mchtige Doppelfestung und beschdigte sie stark. Kaiser Leopold I. stellte Komarno zur Instandsetzung der Wehranlagen ausreichende Finanzmittel und fr die Reparatur der Wlle das Dippenthaler Regiment zur Verfgung. Die instandgesetzte Festung erlebte im Jahr 1683 ihre letzten Kmpfe in den Trkenkriegen, aIs Verbndete der Trken - die Kuruzzen von Imre Thkly - unter ihren Wllen antraten. Ihre Belagerung und ihre Eroberungsversuche endeten jedoch wiederum ohne Erfolg. Im Jahre 1683 erlitt das trkische Heer vor Wien eine schwere Niederlage. Damit begann ein sechzehnjhriger Krieg, durch den ganz Ungarn vom Trkenjoch befreit wurde. Diese Vernderung bedeutete einen wesentlichen Umschwung im Leben von Komarno. Das Grenzbollwerk verlor seine Bedeutung, und die Pflege und Erhaltung der Festung sanken auf ein Minimum. Zwei groe Erdbeben in den Jahren 1763 und 1783 - insbesondere das zweite, dessen Epizentrum in der Nhe der Festung lag - besiegelten fr lange Zeit deren Schicksal. Die Heeresfhrung entschied, da eine Wiederherstellung der Festung unrentabel sei, und kommandierte aus diesem Grund ihre Truppen ab. Das Festungsgrundstck widmete Kaiser Joseph II. der Stadt, die Gebude wurden 1784 versteigert. Erst die Napoleonischen Kriege gaben 1808 den Ansto zur Erneuerung der Festung.
Das Komarner Festungssystem des 19. Jahrhunderts
Aufgrund der Napoleonischen Kriege begann die letzte bauliche Expansion des Festungssystems von Komorn. Die Hauptkriegsereignisse in den Jahren 1800 - 1805 richteten die Aufmerksamkeit der militrischen Fhrung, die an der Donau eine strategische Stellung gegen Napoleon bentigte, wieder auf Komorn. Bei dieser Gelegenheit (1808) wurde auch der Nordflgel der "Neuen Festung", der bis dahin aus Erdreich bestand, in Ziegelwerk gemauert. 1810 entstand auf dem Festungshof eine riesige Kaserne mit U-frmigem Grundri, 1815 folgte an der Sdseite ein Kommandanturgebude. 1827 - 1839 wurde auch die "Alte Festung" umgebaut. Unter Beibehaltung der Umfassungsmauern legte man in den Zwischenwllen Kasematten sowie in den Basteien Artilleriestellungen an. Mit dem Jahre 1807, in dem Komarno auch von Kaiser Franz II. (1768 - 1835) besucht wurde, setzte eine umfangreiche Planungsttigkeit ein. Die Plne des ursprnglich fr zweihunderttausend Mann starke Truppen vorgesehenen Festungssystems nderten sich mehrfach bis zur endgltigen Realisierung. Der erste grozgige Entwurf stammt aus dem Jahre 1810, er konnte jedoch nicht verwirklicht werden, da er untragbare finanzielle Aufwendungen erfordert htte. Jedoch inspirierte er die nachfolgenden Planer und beeinflute mit seiner Konzeption das Entstehen des modernen Festungssystems von Komorn. Die Reihe der folgenden Projekte war bereits etwas bescheidener, und insbesondere jene, die aus den Jahren 1866 - 1867 stammten, nherten sich der ufgabenstellung der Heeresleitung und heutigen Form der Verteidigungsgruppierungen. Als Fertigstellungstermin aller Teile des Festungssystems nehmen wir das Jahr 1877 an. Eine Karte von 1876, der sogenannte "Plan der Befestigungen von Comorn" stellt bereits den tatschlichen Zustand des ausgebauten Festungskomplexes dar, auch wenn man noch ein Jahr nach Beendigung am Fort Igmand als letztem Objekt arbeitete. |